Stricken für Geist und Seele

Stricken für die Seele

Immer wieder bin ich überrascht, welche entspannende Wirkung das Stricken auf Körper, Geist und Seele hat. In den letzten Jahren stellte ich außerdem fest, dass das Stricken sehr gut geeignet ist, um Krankheitsprozesse zu begleiten und das es dem Menschen, gerade bei einer psychischen Erkrankung, durch eine handwerkliche Tätigkeiten leichter fällt, wieder in seinem normalen Alltagsleben anzukommen.

Und weil mich das Thema „Resilenz“ interessiert, habe ich mich natürlich gefragt: „Warum ist das so?“.

Warum ist das so?

Stricken erfolgt beidhändig, verlangt Ausdauer und Geduld und wirkt strukturierend. Das Arbeiten mit den Händen ist eine tief in unserer Gesellschaft verankerte Ausdruckssprache. Diese Ausdrucksprache fördert die Vernetzung von sinnlichem Erfahrenen, ästhetischem Denken und gestaltetem Ausdruck. Mit anderen Worten, sie setzt Kreativität frei.

Stricken fördert die Feinmotorik, ist ordnungsgebend und musterbildend, beruht auf Wiederholung und benötigt viel Ausdauer und Geduld.  Und das Schöne ist, wer sich auf diesen Prozess erst einmal eingelassen hat, verspürt bald die entspannende Wirkung auf Körper und Geist.

Welche Wirkung das Tun, das Ausdrücken mit den Händen, im Kopf erzeugt, wurde für das Erlernen von Musikinstrumenten bei Kindern von Hans-Georg Bastian bereits 2000 wissenschaftlich in einer groß angelegenten, empirischen Studie nachgewiesen. Laut Studie verbessern die Kinder ihre soziale Kompetenz, steigern ihre Lern- und Leistungsmotivation, kompensieren Konzentrationsschwäche und verbessern letztendlich ihre schulischen Leistungen trotz der Mehrbelastung durch das Erlernen eines Musikinstruments.

Ähnlich wie beim Stricken muss auch beim Spielen eines Musikinstruments das Gehirn zur gleichen Zeit viele verschiedene Aufgaben lösen: das Spielen des Instruments, was Hand, Gefühl und Kopf verbindet, und das gleichzeitige Arbeiten mit beiden Händen, die jedoch unterschiedliche Arbeiten durchführen.

Alle Arbeiten mit den Händen fördern die motorische und geistige Entwicklung und das nicht nur bei Kindern und Jugendlichen sondern auch bei Erwachsenen.

Stellt sich mir die Frage, ob vielleicht jeder Mensch für sein Wohlbefinden ein handwerkliches Hobby braucht?