Kann Weihnachtszauber giftig sein?

Für die Weihnachtszeit habe ich eine kleine „Taggeheimnis-Weihnachtsgeschichte“ geschrieben.

Viel Spaß und eine schöne Zeit.

Jakob schob das Buch beiseite. Die Geschichte war zuende. Eine wirklich spannende Geschichte von einem Jungen, der das Zaubern lernen wollte. Leider vermasselte er immer alles. Einmal wollte er einen lecken Schokoladenpudding herbeizaubern und was kam dabei heraus – nur gifte Puddingpampe.

Aus Lisas Zimmer klang Weihnachtsmusik.

‚Immer dieses Weihnachtsmusikgedudel!’, dachte Jakob. ‚Ich weiß gar nicht, warum Mädchen so darauf abfahren?’

Immer wenn Jakob Lisa bat, das Geplärre doch endlich abzustellen, behauptete Lisa, sie brauche das, sonst könne sie den Weihnachtszauber nicht richtig genießen. Was die Leute nur immer mit diesem Weihnachtszauber hatten. Es war Weihnachtszeit, die Zeit vor dem Weihnachtsfest. Nicht mehr und nicht weniger. Fertig aus und bum.

Jakob hielt inne. Wie aus dem Nichts kreiste die Frage: ‚Kann Weihnachtszauber auch giftig sein?’ durch seinen Gedankenbrei. Ganz entzückt von seiner neuen Taggeheimnisfrage machte Jakob sich auf den Weg, um die Familienmitglieder zu befragen. Oder wollte er sie nur etwas nerven?

„Nö, Weihnachten ist schön. Ich liebe die Weihnachtszeit, also kann der Weihnachtszauber auch nicht giftig sein!“, kam es von Lisa.

„Hmh, Weihnachtszauber giftig? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Muss ich erst mal drüber nachdenken. Ich denke mal Nein!“ – Mama.

„Ja klar. Dieses Weihnachtsmusikgedudel zum Beispiel macht mich ganz krank. Morgens bekommen meine Kolleginnen nicht genug davon, abends Lisa und Mama! Natürlich, dieser ganze Weihnachtstamtam ist reines Gift für meine Nerven!“, so Papa.

„Oh, mein Junge, wie kommst du nur auf diese Idee? Die Weihnachtszeit ist doch die schönste Zeit im Jahr. Eine Zeit voller zauberhafter Glücksmomente. Wie soll Weihnachtszauber da giftig sein?“ Das kam von Oma.

„Aber Oma, Papa sagt auch dieses Weihnachtsliedergedudel ist reines Gift für seine Nerven!“ entgegnete Jakob.

Jakobs Oma fing an zu lachen: „Was für den einen Glück bedeutet, kann für den anderen Nerverei sein. Jeder hat ein anderes Verständnis von Glück. Ob etwas Weihnachtszauber ist und damit Balsam für die Seele, kann nur jeder selbst für sich herausfinden!“

„Und wie bitteschön? Wir leben in einer Welt voller Oberflächlichkeit und Kommerz, wie soll es da möglich sein, den Weihnachtszauber zu finden?“ Jakob dachte an Frau Hansen, seine Lehrerin.

„Glück fühlst du in deinem Herzen. Du kannst es nicht kaufen! Die Glücksmomente in der Weihnachtszeit nehmen zu, wenn du das Staunen zulässt, dieses offen sein für schöne Momente, für Eindrücke und Überraschungen und für besondere Stimmungen.“ Oma kam richtig ins Schwärmen.

„Das Sammeln dieser Glücksmomente macht den Weihnachtszauber aus. Wenn du allerdings zulässt, dass die Welt um dich herum es schafft, dass du diese Glücksmomente nicht mehr spüren kannst, wenn du das Besondere der Weihnachtszeit nicht mehr fühlen kannst, dann bist du in der Tat vergiftet, doch nicht vom Weihnachtszauber!“ fügte sie lächelnd hinzu.

Staunend sah Jakob seine Oma an. Ihr Gesicht schien ganz jung zu werden. War das auch ein Weihnachtszauber?

Liebevoll lächelte Jakobs Oma ihn an: „Weihnachtszauber muss man fühlen, um ihn zu erleben!“

 

Telse Maria Kähler